english | Callback | Sitemap

Präsentation des EFI-Programms in Rio de Janeiro, Brasilien

Zur?ck zur ?bersicht

Auf dem 18. Weltkongress der "International Association of Gerontology" in Rio de Janeiro stellte das ISAB-Institut das EFI-Programm einem interessierten Publikum aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt vor. Repräsentanten aus Peru, Indien, Brasilien und England zeigten Interesse an einer Übernahme des EFI-Konzeptes.

Unter dem Titel „Active Aging in the 21st Century – Participation, Health and Security“ fand der 18. Weltkongress der International Association of Gerontology in Rio de Janeiro statt, an dem rund 4000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt teilnahmen. Neben Themengebieten wie Pflege, Gesundheitsaspekte sowie gerontologischen Fragestellungen fanden erstmalig Themen wie lebenslanges Lernen und bürgerschaftliches Engagement Eingang in das Tagungsprogramm. Im Verhältnis zum Gesamtprogramm war jedoch erkennbar, dass das Engagement Älterer im Freiwilligensektor zu den noch wenig erforschten Feldern im Zusammenhang mit dem Leitbild des „Aktiven Alterns“ gehört.
Das Bundesmodellprogramm „Erfahrungswissen für Initiativen“ (EFI) traf gleich in zwei Veranstaltungen auf reges Interesse seitens des internationalen Publikums.


1. Internationales Symposium „Lifelong Learning and Active Citizenship in an Aging Society: European and Northamerican Best Practices“

Einem Publikum von rund 50 interessierten Wissenschaftler/innen wurden vier Programme zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements Älterer vorgestellt:


- EFI-Programm (Deutschland)
- Legacy Leadership Institutes (USA)
- SESAM Academy (Niederlande)
- Training for Senior Citizens Consultants (Belgien)

Einleitend stellte Jack Steele (USA) fest, dass derzeit 10% der Weltbevölkerung über 60 Jahre alt ist. Im Jahre 2050 werden es sogar 20% sein. Diese demographischen Trends bringen nicht nur Herausforderungen, sondern auch viele Gestaltungsmöglichkeiten, so der Vertreter der Legacy Leadership Institutes in den USA. Es würden mehr Dienstleistungen für Ältere erbracht werden müssen. Genauso sollte aber auch in den Blick genommen werden, dass die neuen Altengenerationen stärker als bisherige Altengenerationen einen gesellschaftlichen Beitrag in Form von freiwilligem Engagement leisten können und wollen. Die aktuellen Freiwilligenprogramme können dabei in direkte und indirekte Modelle unterteilt werden. Die Legacy Leadership Institutes, die SESAM Academie und das EFI-Programm gehörten zu den indirekten Service-Modellen. Das Engagement der Programm- Teilnehmer\innen besteht in der Beratung und Unterstützung von Non-Profit-Organisationen vor Ort.

Das Modell des US-amerikanischen Modells der Legacy Leadership Institutes verknüpft neue Rollenmodelle und neue strategische soziale Netzwerke mit der persönlichen Entwicklung (Stichwort: Lifelong Learning) der Programm-Teilnehmer\innen (zur detaillierten Erlauterung des Programms vgl. die Zusammenfassung des internationalen Forums und Research Meetings, EFI-Tagung Würzburg, Juni 2005 ).

Joke Zwart (Niederlande) stellte die SESAM Academie vor. Pensionierte Ex-Manager können sich in diesem Programm zu sog. „SESAM Advisors“ oder „SESAM Coaches“ ausbilden lassen. Die Leistungsempfänger sind auch in diesem Fall Organisationen des Dritten Sektors, die die Beratungsangebote gegen ein geringes Entgelt wahrnehmen können (zur genaueren Beschreibung vgl. Zusammenfassung EFI-Fachtagung). Seit 2003 sind fünf Trainingskurse mit 80 Teilnehmer\innen abgeschlossen worden. Leider gibt es nur sporadisch durchgeführte Evaluationen, so dass noch nicht auf qualitative und\oder quantitative Forschungsergebnisse zurückgegriffen werden kann.

Als drittes Modellprogramm stellte Silke Brauers (Deutschland) das EFI-Konzept vor. Es stellte sich heraus, dass das EFI-Programm zu den umfangreichsten Programmen gehört – sowohl was die Zahl der engagierten Älteren betrifft wie auch die Zusammensetzung der beteiligten Akteure. Im Vergleich zu den niederländischen und US-amerikanischen Modellen wurde ausserdem deutlich, dass das EFI-Programm die Möglichkeiten und Rollenprofile des „seniorTrainers“ von Beginn an bewusst offen gehalten hat, d.h. im Unterschied zu anderen Programmen ist die Bandbreite der nach der Qualifizierung folgenden Engagements und Tätigkeiten sehr gross. Aus Zeitgründen konnte nicht näher auf einzelne Evaluationsergebnisse eingegangen werden. Verwiesen wurde jedoch auf die umfassende Begleitforschung, die die einzelnen Kooperationspartner innerhalb des EFI-Programms durchführen.

Als viertes Modellprojekt wurde von Els Messelis (Belgien) das „Training for Senior Citizens-Consultants“ vorgestellt. Das seit 1989 existierende Programm besteht aus einer 920 Stunden umfassenden Qualifizierung, die wiederum aufgeteilt in vier Module aufgeteilt ist. Die Programm-Teilnehmer\innen lernen die Grundlagen der Gerontologie, soziale und kommunikative Kompetenzen, Bildungs- und Trainingskompetenzen und informieren sich über aktuelle Tendenzen in der Seniorenpolitik. Ziel des Programms ist es, sowohl beruflich Tätigen als auch freiwillig Engagierten Werkzeuge an die Hand zu geben, um wirkungsvoll auf der lokalen Ebene mitwirken zu können und somit auch aktive Seniorenpolitik zu betreiben.

Zum Abschluss stellte Joke Zwart das europäische Kooperationsprojekt LACE vor, dass im Herbst dieses Jahres starten soll.


2. Präsentation „Viewing the aging population as a strategic resource in the voluntary sector“

Joke Zwart (Niederlande) und Silke Brauers (Deutschland) präsentierten in einem offenen Forum die existierenden Programme im Überblick und regten an, Ältere stärker als zuvor als strategisch wichtige Ressource im Freiwilligensektor zu verstehen. Es wurde deutlich, dass das freiwillige Engagement Älterer nach wie vor ein 'Nischenthema' ist, das noch nicht in dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist. Gemeinsam wurde angeregt, internationale Vergleichsstudien im Zusammenhang mit dem bürgerschaftlichen Engagement neuer Altengenerationen stärker als zuvor in den Blickfeld zu nehmen und diesbezüglich auch in der Gerontologie neue Akzente zu setzen.

3. Zusammenfassung und Perspektiven

In beiden Symposien wurden von dem internationalen Publikum ähnliche Fragen bzgl. der Programme und insbesondere bzgl. des EFI-Programms gestellt: Die zunehmende Auflösung der Grenzen zwischen Erwerbstätigkeit und freiwilligem Engagement sowie die nachhaltige Sicherung und Fortsetzung der Programme waren Inhalt der Diskussionen. Forschungsfragen und Evaluationsergebnisse standen eher im Hintergrund, da in beiden Veranstaltungen ein allgemeiner Überblick über bestehende Modellprogramme gegeben wurde. Für eine Übernahme des EFI-Konzeptes interessierten sich insbesondere Teilnehmer\innen aus Peru, Indien, Brasilien und England.

Gemessen an dem Gesamtprogramm der Konferenz wurde jedoch deutlich, dass das Thema (noch) nicht in die Agenda der internationalen Gerontologie aufgenommen ist. Auch für zukünftige Veranstaltungen auf internationalem Niveau wird es daher zukünftig wichtig sein, Programme wie das EFI-Programm vorzustellen und sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf politischer Ebene ein Zeichen zu setzen.